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Erscheinen PsychKG-Unterbringungen eigentlich im Polizeilichen Führungszeugnis?

Es stellt sich immer wieder die Frage, ob Zwangsunterbringungen im Psychiatrischen Krankenhaus nach PsychKG zu einem Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis führen.

Die Antwort ist: PsychKG Unterbringungen erscheinen nicht im Führungszeugnis.

Bei meiner Recherche habe ich aber nun endlich verstanden, warum sich dies Gerücht so hartnäckig hält.

Es gibt vier Arten von Führungszeugnissen:

  1. Das Privatführungszeugnis: Das ist das Führungszeugnis, das Privatpersonen beantragen und zum Beispiel ihrem Arbeitgeber bei der Einstellung vorlegen. Hier werden Straftaten einer bestimmten Schwere eingetragen.
  2. Das Behördenführungszeugnis: Dies dient zur Vorlage vor Behörden, hier werden zusätzlich zu den strafgerichtlichen Entscheidungen auch Entscheidungen von Verwaltungsbehörden, zum Beispiel der Widerruf einer Gewerbeerlaubnis, eingetragen.
  3. Das Erweiterte Führungszeugnis: Dies brauchen Personen, die im Kinder- oder Jugendbereich tätig werden wollen, zum Beispiel in Schulen oder Sportvereien.
  4. Das Europäische Führungszeugnis: Wird in Deutschland lebenden Staatsangehörigen eines anderen Mitgliedsstaates der EU erteilt und gibt auch Auskunft darüber, ob diese Person im EU-Staat ihrer Herkunft vorbestraft ist.
    (Quelle: Bundesjustizamt)

Die Sorge:

Es gibt eine weit verbreitete Sorge, dass Psych KG-Unterbringungen im Behördenführungszeugnis erscheinen, und damit einer Verbeamtung im Wege stehen. Diese Sorge haben also vor allem Lehrer, Mitarbeiter im Rettungsdienst, der Feuerwehr und der Polizei, die mal durch welche verfahrene Situation auch immer per PsychKG untergebracht worden sind. Das kann ja schon passieren, wenn man mal betrunken mit 2 Promille randaliert hat und für eine freiwillige Entgiftung nicht zustimmungsfähig war.

In umgangssprachlichen Zusammenfassungen, wie in dieser Erklärung des Bundesjustizministeriums, heißt es, dass in einem Behördenführungszeugnis auch “gerichtlich angeordnete Unterbringungen in einer psychiatrischen Anstalt” aufgeführt werden können. Das ist sicher die Quelle der Verunsicherung.

Was genau erscheint tatsächlich im Führungszeugnis?

Es gilt auch hier mal wieder: “Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung…”. Der Inhalt des Führungszeugnisses ist natürlich genau festgelegt, und zwar im §32 Bundeszentralregistergesetz (BZRG).

Hier wird unter Punkt 3 Abs. 1 explizit aufgeführt, dass “Verurteilungen, durch die eine freiheitsentziehende Maßregel der Besserung und Sicherung angeordnet worden ist” ins behördliche Führungszeugnis kommen.

Und das sind eben nicht PsychKG Unterbringen, sondern nur Unterbringungen in Forensischen psychiatrischen Kliniken nach §63 oder §64 StGB.

Entwarnung

PsychKG Unterbringen werden hier gerade nicht aufgeführt. Sie erscheinen also weder im normalen Führungszeugnis, noch im Behördlichen Führungszeugnis, noch im Erweiterten Führungszeugnis.

Gut so.

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Werbung für Psychopharmaka in den USA

Mein Gott bin ich froh, dass in Deutschland Werbung für rezeptpflichtige Arzneimittel verboten ist. In Amerika ist Werbung für rezeptpflichtige Arzneimittel erlaubt, somit auch für Psychopharmaka.
In meiner Twitter-Timeline schaue ich mir gerade von @psychiatrypics alte und neue Werbung an. Es war dort offenbar schon immer üblich, völlig unkritisch Psychopharmaka, oft auch Neuroleptika, als Wundermittel gegen alle Formen von Unruhe oder Lebensproblemen darzustellen. Bei den alten Werbungen wirkt das lächerlich, bei den neuen beängstigend.
Und @HansBangen hat gerade diesen link getwittert:

http://youtu.be/D9ocn5v0r4A. Laufe in den USA gerade auf allen Sendern im Fernsehen. Die Sprecherin spult die Nebenwirkungen einer neuen Pille ab, kontrastiert wird das von glücklichen Bildern glücklicher Menschen.

Wäre fast schon lustig, wenn es nicht in jeder Hinsicht völlig daneben wäre…

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Zeitleisten erstellen mit Easy Timeline

In der Psychiatrie ist es oft entscheidend, sich ein klares Bild vom zeitlichen Ablauf einer Erkrankung und deren Behandlung zu machen. Oft braucht man einen Überblick, wie sich die Erkrankung über die gesamte Lebenszeit dargestellt hat, und wann welche Therapie eingesetzt wurde.

Und dann kommen oft noch weitere Faktoren dazu:

  • Wo und wie wohnte der Patient?
  • War er in einer Partnerschaft?
  • Gab es einen relevanten Drogenkonsum?
  • Wie sah es beruflich aus?

Und vieles mehr. Und das alles soll man sich so visualisieren, dass man einen vernünftigen Überblick hat. Man soll also wissen, wann die erste Krankheitsepisode war, welche Therapie dann eingesetzt wurde, wie lange es unter dieser Therapie stabil lief, wann es unter welcher Therapie und welchen Rahmenbedingungen wieder zu einem Rückfall gekommen ist, wie oft diese Rückfälle sich wiederholt haben und so weiter.

Kann man alles auf einem DIN A4 Blatt machen, und sollte das auch viel öfter tun. Aber für Fallvorstellungen und Präsentationen empfehle ich das Mac Programm Easy Timeline. Im Video stelle ich es vor:

http://youtu.be/KX7q7011rYs

Einen sehr guten 30 minütigen Screencast von Screencastsonline, der Easy Timeline erklärt, findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=swGA8xvkYcU

 

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Nein, ich bin nicht “busy”

von NicP for Tauchreisen Nautilus One (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Wenn man im beruflichen Kontext jemanden fragt “Wie geht´s?”, antwortet er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: “Ach, schrecklich viel zu tun, aber sonst ganz gut!” Es gibt keine Alternative. Niemand sagt, dass er eben gerade genug zu tun hat, um alles entspannt hinzukriegen. Das sagt einfach keiner. Immer hat man gerade ganz viel um die Ohren und gar keine Zeit. Ich frage mich, wie man so irgend etwas vernünftig hinkriegen will. Man braucht doch Zeit, um Dinge ordentlich zu machen. Dieser gesellschaftliche Konsens, dass alle immer schrecklich “busy” (englisch für “geschäftig, beschäftigt”) sind, geht mir gehörig auf die Nerven.

Also, ich habe nicht zu viel zu tun. Ich kann meiner Arbeit ganz gut gerecht werden, ohne dass es zu viel ist. Ich kann mich in Ruhe auch den Dingen widmen, die etwas mehr Zeit brauchen. Ich bin nicht gestreßt und ich habe genug Zeit zur Regeneration.

So, dass mußte auch mal gesagt werden.

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Videopost: Was bedeutet eigentlich der “Einwilligungsvorbehalt” bei Betreuungen

Ich habe hier spaßeshalber mal einen Videopost gemacht:

Was bedeutet eigentlich der “Einwilligungsvorbehalt” bei gesetzlichen Betreuungen?

Aber guckt selber: http://youtu.be/fg31ur8gh0I

Interesse an mehr Video-Posts? Dann mailt eure Fragen an Psychiatrietogo2012@gmail.com!

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Gründung einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Borderline Patienten in Köln

Der Verein “Grenzgänger” kümmert sich – nun auch in Köln – um die Belange und die Unterstützung von Angehörigen von Borderline-Patienten, und plant für die Zukunft noch einiges mehr.

Eine erste konkrete Maßnahme ist die Gründung einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Borderline-Patienten in Köln, die für Eltern, Partner, Geschwister und alle anderen Angehörigen von Borderline-Patienten offen ist.

Das Gründungstreffen findet am 22.04.2014 um 18.30 Uhr, in den Räumen der Selbsthilfe-Kontaktstelle Köln, Marsilstein 4-6, 50676 Köln, statt. Ein regelmäßiger Termin für weitere Treffen wird dann von den Teilnehmern gemeinsam bestimmt.

Interessierte melden sich bitte beim Organisator, Hrn. Kai Kreutzfeld per mail (info@hp-kreutzfeldt.de) oder telefonisch unter: 0221 – 971 37 356 bzw. 0178 – 411 34 84 an.

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Wörter, die es nur in der Medizin gibt

Es ist ja gut und richtig, dass jedes Fachgebiet seine eigene Fachsprache hat. Eskimos brauchen einfach 50 verschiedene Begriffe für Schnee, um nicht zu verhungern und theoretische Physiker können auch nicht alle Phänomene mit einem Wortschatz von 500 Worten beschreiben.

Aber dann gibt es auch so gewisse eingeschliffene Skurillitäten, die sich in verschiedenen Fachgebieten herausbilden. Wenn nämlich Dinge des Alltages, für die es ganz normale und richtige Worte gibt, auf lustig-verschrobene Art umschrieben werden, ohne dass hierdurch irgend etwas klarer wird. Neben der allgemeinen deutschen Tendenz zur Substanzivierung gibt es hier eine erkennbare Lust am Abstrakten. Nach wenigen Tagen Sammeln habe ich folgendes Destillat erstellt:

Der in domo gut bekannte Hr. X ist in unserer Ambulanz notfällig vorstellig geworden. Er stellte sich zur geplanten Krisenintervention vor. Er sicherte Absprachefähigkeit zu. Durch die stationäre Aufnahme zeigte er sich deutlich entlastet. Er nahm am multimodalen Therapieprogramm teil und profitierte vom stationären Setting. Nach erfolgter Krisenintervention wurde er an unsere Institutsambulanz angebunden und zurück in die Häuslichkeit entlassen.

Ich glaube, es wird deutlich, welche sprachlichen Gewächse ich meine. Welche Lieblingswörter kennt ihr, die kein notwendiger Fachbegriff, sondern eine Verschwurbelung des Umgangssprachlichen sind?

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Demenz erklärt für Kinder

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Kindern psychiatrische Krankheiten zu erklären, ist immer etwas schwierig und erfordert altersentsprechende Bilder und Erklärungen. Für das Krankheitsbild der Demenz gibt es die Seite www.afi-kids.de. Sie bietet viele unterschiedliche Materialien, die man verwenden kann, um Kindern zu erklären, was Demenz bedeutet. So gibt es zum Beispiel Bastelanleitungen, mit denen man Neuronen basteln kann, Spiele, die man gemeinsam spielen kann und ähnliches.

Mir haben besonders gut die Türschilder zum ausdrucken gefallen. Da haben die Kinder Spaß, sie zu basteln und die demenzkranken Patienten haben eine Orientierungshilfe. So ist beiden geholfen.

Die Seite wird von der Alzheimer-Forschung Initiative e.v. betrieben.

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Domain-mapping Klappe die zweite

So: Ich versuche es dann jetzt zum zweiten Mal. Wenn alles gut geht, wird dieser blog komplett auf die Domain www.psychiatrietogo.de umziehen.

Wenn es nicht klappt, wie beim letzten Versuch vor ein paar Monaten, dann ist der blog erstmal nicht mehr erreichbar. Diesmal würde ich allerdings etwas warten, bevor ich den Versuch abbräche. Also im Falle eines nicht erreichbaren blogs: Ruhe bewahren, es ist nur die Technik, er kommt wieder. Wir werden sehen…

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Was tust Du und warum auf inside medicine

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Ich habe in letzter Zeit einige Folgen des deutschsprachigen podcasts “Incide-Medicine” gehört, auf dem @nplhse und @frolleinronja Einblicke in die Medizin geben. Besonders interessant fand ich die Folge IM010: Krankengeschichte: Verbrennungen, in der eine junge Frau, die einen Brandunfall hatte, über den Unfall, die Behandlung und die weiteren Folgen ihres Unfalls berichtet (die Folge ist allerdings für in dieser Beziehung empfindliche Hörer nicht zu empfehlen…)

Der Podcast hat die Kategorien:
- Konsil
- Krankengeschichte
- Sprechstunde und
- Was tust Du und warum?

Und in dieser letzten Kategorie habe ich in der Folge IM023 berichtet, was ich tue und warum.

Zu hören entweder über die webseite oder als feed für den podcatcher unter http://inside-medicine.net/podcast/feed/mp3/ abonieren. Viel Spaß!

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