3 Kommentare

Sport hilft gegen alles. Darüber vergißt man leicht, dass es oft wirklich hilft…

Foto: Wikimedia. Creative Commons.

Sport hilft ja bekanntlich gegen alles. Arteriosklerose, Demenz, Diabetes, Depressionen; es gibt praktisch keine Volkskrankheit, gegen die Bewegung nicht einen wasserdicht nachgewiesenen prophylaktischen Effekt hat.

Und das stimmt auch, woraus wir als erstes mal für uns selbst folgern sollten, regelmäßig Sport zu treiben, dann können wir auch die Patienten hierzu motivieren. Nun sind die meisten nachgewiesenen positiven Wirkungen des Sports langfristige. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum kaum jemand genug Sport macht.

Aber es gibt zwei Fälle, in denen Sport sofort wirkt, und gerade in diesen Fällen sollten wir ihn im stationären Bereich öfter empfehlen:

  1. Bei akuter Anspannung. Manche Kliniken haben einen Boxsack, manche Kliniken haben einen immer zugänglichen Kraftraum, aber fast alle Kliniken haben irgendeine Möglichkeit, sofort Sport zu machen, zur Not auf einem Fahrradtrainer oder einfach durch joggen. Bei akuten Spannungszuständen raten die Behandler oft zu Entspannungsübungen, wahrscheinlich weil die Worte so gut zueinander passen. Tatsächlich können die meisten Menschen bei starker Anspannung nicht erfolgreich eine Entspannungsübung machen. Wenn ich auf 180 bin kann ich mich nicht mit “meine Füße sind warm und schwer” beruhigen. Das geht in der Regel nur, wenn ich allenfalls eine Anspannung von vielleicht 5 von 10 habe. Bei mehr wird es oft scheitern. Bei sehr hoher Anspannung kann aber Sport, und zwar richtiger Sport, der einen ins Schwitzen bringt, über ausreichend lange Zeit, sehr wirksam helfen. Die meisten Gesunden kennen den Impuls, Laufen zu gehen oder sich auszupowern, wenn sie unter Dampf sind. Wir sollten das im Rahmen des Skills-Trainings öfter empfehlen. Aber keine Gymnastik, keine milde Bewegung, sondern richtig Sport mit einem Puls von mehr als 130 über mehr als 20 Minuten!
  2. Sport hilft wirksam gegen depressive Zustände, und das auch innerhalb weniger Wochen. Auch hier sollte es einen sehr ernst genommenen Platz in der Therapieempfehlung haben.
About these ads

3 Kommentare zu “Sport hilft gegen alles. Darüber vergißt man leicht, dass es oft wirklich hilft…

  1. Ich entspanne mit “aktiv”, d.h. im Garten arbeiten, mit dem Hund laufen oder auch mal ausgelassen tanzen und während der Autofahrt laut mitsingen.
    Wichtig finde ich, dass -gerade immer wieder bei verschiedenen “emotionalen Krisen” auf Entspannung durch Autogenes Training, Yoga etc. hingewiesen wird (und diese durchaus einen hohen Stellenwert haben), jedoch oft die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen außer Acht gelassen wird. Es kann für einen leidenschaftlichen und temperamentvollen Menschen zur Qual werden, wenn ihm gesagt wird, dass er sich nun für ca. 20 Minuten still auf eine Matte legen soll, um in sich wahrzunehmen.

    Ebenso denke ich, dass -sollte man sich momentan nicht unbedingt in der Vorbereitung zu einem sportlichen Wettkampf befinden- Fitnessräume wenig der eigentlichen Sinne ansprechen. In einem stickigen Raum, mit gefühlten fünfzig Personen stupide auf einem Laufbahn zu rennen, ist meiner Meinung nach in erster Linie etwas für den Körper und trägt nicht immer zum allgemeinen Wohlbefinden bei. (naja, bis auf das man den inneren Schweinehund überwunden hat). Bewegung ist gut und immer richtig. Denn wer sich bewegt, kommt vorwärts. Im Innen sowie im Außen.

    “Die Natur ist das beste Beruhigungsmittel” (unbekannt)

  2. Diesem Blogthema kann ich nur voll und ganz zustimmen von Patientenseite aus:-)

    Autogenes Training, Imaginationsübungen…die Allheilmittel gegen Anspannung in Kliniken…
    genau die, wo ich regelmäßig von befreit werde, da ich auf solche Übungen eher paradox reagiere und noch mehr hochfahre.
    Selbstwahrnehmung ist nicht für jeden die ultimative Lösung, sondern kann ganz schnell ins Gegenteil umschlagen und sogar triggern.
    Bei Atemübungen wird mir regelmäßig schlecht und schwindelig.

    Muskelentspannung nach Jacobson ist zwar auch nicht mein Ding, könnte aber vielleicht helfen, wenn ich körperliche Verspannungen lösen möchte.

    MEIN Entspannungsprogramm sind Spiele im Internet, bei denen ich nicht unter Druck gerate…
    Hidden Objects /Suchspiele
    klassisch Memory
    oder “übliche” Spiele im Trainingsmodus, ohne Ziel.

    Stresser sind Spiele mit folgenden Inhalten:
    Level, Leben verlieren, Zeitspiel ..genauso wie das Füttern von virtuellen Tieren oder das Bepflanzen von virtuellen Feldern, wo das Nichterfüllen meiner Aufgaben virtuelle Konsequenzen hat.

    Gartenarbeit, da kann ich nur beipflichten, hilft auch mir, Spannungen abzubauen oder meinen ewigen Gedankenkreislauf zeitweise zu unterbrechen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 448 Followern an

%d Bloggern gefällt das: