Cipramil, Cipralex, Cymbalta, Trevilor. Wem gebe ich denn nun wann welches Antidepressivum?
Wenn ich mich entschieden habe, ein Antidepressivum zu verordnen, habe ich einen bestimmten Algorithmus im Kopf, nach dem ich aussuche, welches Medikament ich gebe.
1. Frage: Hat diese Patientin, hat dieser Patient schon mal ein bestimmtes Antidepressivum erhalten, und hat es überzeugend gewirkt? Wenn Ja, dann gebe ich das gleiche wieder. Punkt. Ende des Algorithmus.
2. Frage: Verordne ich das Antidepressivum gegen eine generalisierte Angststörung? Dann gebe ich Duloxetin (Cymbalta) oder Venlafaxin (Trevilor), letzteres ist explizit gegen die generalisierte Angststörung zugelassen. Beide sind sehr gut wirksam in dieser Indikation. Beide sollten hoch dosiert werden.
3. Frage: Verordne ich das Antidepressivum gegen eine Zwangsstörung? Dann gebe ich zuerst Citalopram (Cipramil). Ich strebe eine höhere Dosis an, zunächst 40 mg pro Tag, im Einzelfall ist dann zu prüfen, ob trotz der bekannten Risiken eine höhere Dosis zu wählen ist. Die QTc Zeit muss dabei gemonitort werden, der Pat. über den Warnhinweis aufgeklärt werden. Citalopram kann in höheren Dosierungen als 40 mg die QTc Zeit verlängern und zu gefährlichen Rhythmusstörungen führen (siehe auch hier).
Bleiben im Wesentlichen die unipolaren und bipolaren Depressionen.
4. Frage: Handelt es sich um eine Depression mit reduziertem Antrieb, normalem Antrieb oder gesteigertem Antrieb (agitierte Depression)?
- Bei Patienten, die einen sehr stark reduzierten Antrieb haben, beginne ich mit Duloxetin (Cymbalta), Zieldosis 60-90 mg.
- Bei etwas reduziertem und normalem Antrieb verordne ich im ersten Schritt Citalopram, Zieldosis 40 mg pro Tag. In der Regel führt dies zu einem guten Ergebnis.
- Reicht der Erfolg nicht, wechsele ich bei einer Depression mit reduziertem Antrieb zügig (zwei Wochen) auf Duloxetin (Cymbalta), weil dies nicht nur die Serotonin Wiederaufnahme hemmt, wie das Citalopram, sondern zusätzlich noch die Noradrenalin Aufnahme hemmt, was den Antrieb steigert.
- Bei Patienten mit einem normalen Antrieb wechsele ich erst nach etwa 3-4 Wochen ohne erkennbaren Therapieerfolg auf Duloxetin.
- Bei gesteigertem Antrieb und insbesondere bei Schlafstörungen bevorzuge ich Mirtazapin (Remergil) zur Nacht. Dies empfehle ich aber nur, wenn kein Gewichtsproblem besteht und nachdem ich über die Möglichkeit einer Gewichtszunahme unter Mirtazapin informiert habe und der Patient zustimmt. Ich beginne dann mit 15 mg zur Nacht. Je nach Schwere der Schlafstörung und Agitation steigere ich Mirtazapin auf bis zu 45 mg pro Tag. Reicht das, um die Schlafstörung zu beheben und den Antrieb zu normalisieren, bleibe ich bei 15 mg Mirtazapin zur Nacht und ergänze 20-40 mg Citalopram am Morgen.
Mit diesem Algorithmus komme ich in 95 % der Fälle hin. Reicht die Wirkung nicht aus oder kommt es zu Nebenwirkungen, verwende ich folgende Austauschpräparate:
- Citalopram (Cipramil) wird nicht vertragen: -> Escitalopram (Cipralex) versuchen. Beide sind reine Serotonin-Wiederaufnahme Hemmer und werden in der Regel recht gut vertragen und sind sehr wirkstark.
- Duloxetin wirkt nicht stark genug: -> Venlafaxin versuchen. Beide hemmen sowohl die Serotonin Wiederaufnahme als auch die Noradrenalin Wiederaufnahme. Venlafaxin hemmt in hoher Dosis unerwünschterweise auch die Dopamin Wiederaufnahme und kann daher wahnhafte Symptome triggern oder verstärken und es macht oft stärker unruhig als Duloxetin, wirkt aber in einzelnen Fällen besser.
Was ist mit den “Alten Antidepressiva” ?
- Clomipramin gebe ich manchmal als Augmentation bei Zwangserkrankungen.
- Amitriptylin gebe ich manchmal bei chronifizierten Schmerzstörungen.
- Fluoxetin, Fluvoxamin, Mianserin, Paroxetin und die ganzen anderen älteren Antidepressiva gebe ich nur nach Regel 1: Hat schon mal geholfen, dann verordne ich sie wieder. Ansonsten verwende ich sie nicht.
Wenn das alles nicht hilft?
- Augmentation mit Lithium. Hilft oft.
- Augmentation mit Schilddrüsenhormon. Hilft selten. Mache ich nur in Einzelfällen.
Was noch zu beachten ist:
- Schwere wahnhafte Depression: EKT.
- Bei Vorliegen einer wahnhaften Komponente oder wahnähnlichem Grübeln ein niedrigdosiertes Neuroleptikum ergänzen.
- Bei Patienten mit sehr großer Angst und keiner Abhängigkeit in der Vorgeschichte ein Benzodiazepin erwägen.
- Bei Suizidalität ein Benzodiazepin ergänzen.
- Den normalen Zeitverlauf der Besserung würdigen: Etwa zwei Wochen nach Beginn einer antidepressiven Medikation kommt oft eine Antriebssteigerung, nach etwa vier Wochen kommt oft die Stimmungsverbesserung. Angststörungen verbessern sich etwa nach vier bis sechs Wochen, Zwangsstörungen oft erst nach sechs bis zwölf Wochen.

Und wo ordnest Du Opipramol ein?
Aufgrund der Hinweise aus dem Brief mit der roten Hand wäre m.E. eine Therapie von Citalopram in höheren Dosierungen nicht mehr unproblematisch, insbesondere wenn man an eine mögliche ambulante Fortsetzung der medikamentösen Therapie überlegt. Meine erste Wahl zum Bsp. bei Zwangsstörungen wäre eher Paroxetin auf 60-80mg aufzudosieren. Auch Clomipramin ist sicherlich etwas schlechter verträglich als die SSRI´s aber von der Wirksamkeit immer wohl noch am höchsten einzuschätzen.
Konnte man Wirkunterschiede auf einzelne Symptome wie z.B. den Antrieb auch in Studien zeigen, oder begründet sich der Algorithmus eher aus dem klinischen Gefühl?
Tja ob das Duloxetin echt so viel kann wird aber auch noch bezweifelt, so wird es etwa im kleinen Nachbarland mit den vielen Tulpen totz auch hier recht hohem Werbeaufwand der vertreibenden Manufaktur kaum verschrieben und Venlafaxin scheint doch auf dem Papier wirksamer und als Generika auch ökonomischer…
siehe z.B. auch hier -> Cipriani A, et al Lancet. 2009 Feb 28;373(9665):746-58. Review. FINDINGS: Mirtazapine, escitalopram, venlafaxine, and sertraline were significantly more efficacious than duloxetine…
Interessant, mal zu lesen, wie Psychiater ein Medikament verordnen. Bzw. wie einer das tut.
Ich hatte auch ganz am Anfang erst einmal Citalopram bekommen. Das hat jedoch nicht gewirkt, es hatte nur nach einer Zeit unkontrollierbare Euphorieanfälle ausgelöst, nach denen ich nur noch tiefer gefallen bin. Dann hatte ich Venlafaxin bekommen. Damit gings mir gut.
interessanter Blog, ich werd ihn weiter verfolgen, denke ich.
LG
zero
[...] Hier der Artikel zur Auswahl eines Antidepressivums. Weiterempfehlen:FacebookTwitterE-MailDruckenGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser [...]
Auf dem DGPPN Kongress war allerdings zu hören, dass all diese Nervengifte die Depression eher chronifizieren als sie zu heilen.
Ebenfalls auf dem DGPPN Kongress war zu hören, dass die Effektstärke von einem normalen Gespräch genauso hoch ist.
Wird da etwa Einsamkeit chemisch behandelt
http://www.handelsblatt.com/technologie/forschung-medizin/medizin/forschung-im-zwielicht-psychiater-im-sold-der-industrie-seite-2/3041818-2.html
[...] [...]
Amitriptylin mit steigender dosisiereung hab ich zum schlafen bekommen das hat am besten gewirkt, aber habe 15 kg zugenommen
Verschiedene Schlaftabletten hatten bei mir keinerlei Wirkung außer das ich morgens zum nicht geschlafen noch einen ätzenden Metall Geschmack im Mund hatte.
Was ist mit den selektive Noradrenalin-/Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI) Bupropion und Methylphenidat? Bei Methylphenidat könnte die missbräuchliche Anwendung ein Grund sein, aber bei Bupropion nicht. Zu welchen Patienten passen die und warum kommen diese nicht bei Ihnen vor?
ich habe echt angst,durch cipralex und später auch citalopram hatte ich solches herzrasen ich dachte ich sterbe.nehme jetzt opipramol.aber ich leide darunter das ich immer noch keine glücksgefühle wie früher verspüre.das geht jetzt s seit 2004.wer kann mir helfen??
@marco peschel
Angst zuerst mit Xanax runterholen und parallel ein SNRI wie Venlafaxin einstellen. Doch Venlafaxin sollte nur langsam gesteigert werden. Kapseln aufmachen und die Hälfte wegschütten! (bei 37.5mg) innert 3 Tagen auf 37.5mg bleiben und dann wieder langsam auf 75mg,150mg oder 300mg. Wobei ab 300mg Venlafaxin auch eine Dopamin Wiederaufnahmehemmung stattfindet.
Nachdem man mit der Angst zurechtkommt sollte man aufgrund von Suchtgefahr auf Pregabalin (Lyrica) umsteigen.
SSRI stumpfen einen eher runter als ein SNRI.
Bei zusätzlichen Schlafstörungen können auch Trazodon oder Mirtazapin helfen.
Hallo Danke für Deinen Kommentar.
Zur Suchtgefahr möchte ich nur kurz klarstellen, dass die Benzodiazepine diese haben, Venlafaxin oder andere Antidepressiva aber nicht.
Beste Grüße!
[...] Antidepressiva: psychiatrietogo.wordpress.com/2012/02/11/welches-antidepressivum-gebe-ich-wem [...]
Hallo!
Willkommen hier! Ich habe viele Deiner Artikel auf Deinem blog gelesen, sehr interessant. Danke für den link!
Diesen Kommentar vom 13. Dezember habe nicht ich geschrieben
Keine Ahnung wie dieser Kommtar auf deinen Blog gelangt ist…
Ich habe von Citalophram 40mg auf Venlafaxin 150mg gewechselt. Die generalisierten Ängste wurden sehr viel besser, allerdings hatte ich das Gefühl, dass sie den Antrieb eher schwächten, ich 10kg zunahm und aus den rezivierenden depressiven Verstimmungen wurde eine schon länger anhaltende Depression. Inzwischen bin ich auf 225mg Venlafaxin, aber habe extreme Übelkeit. Wäre es besser komplett auf ein anderes Medikament zu wechseln, oder die Venlafaxin runter und zusätzlich etwas anderes für die Nacht, dass auch gegen die Schlafstörungen hilft?
Hallo Tine,
bitte habe Verständnis dafür, dass ich hier ganz grundsätzlich keine Empfehlungen oder Einschätzungen zu individuellen Therapien geben kann. Hierfür wäre ja eine persönliche Untersuchung nötig, die Schilderung alleine reicht für eine Einschätzung nicht aus. Bitte besprechen Sie diese Frage mit Ihrem behandelnden Arzt.
Beste Grüße
Was ist bei Frage 2. mit hoch dossiert gemeint, wie viel mg?
Hi!
Cymbalta finde ich mit 90-120 mg hoch dosiert, Venlafaxin mit 225 mg.
Ich habe bzgl Psychopharmaka auch ein paar interessante Erfahrungen gemacht:
Zuvor meine einstweilige Diagnose: Gen. Angststoerung mit Depression und leichten Gruebelzwaengen.
NL die ich schon konsumieren durfte: Zyprexa, Abilify, Seroquel
AD bis jetzt: Citalopram, Escitalopram, Bupropion, Milnacipran, Clomipramin, Duloxetin, Fluoxetin
Sonstiges: Trazodon, Dominal, Pregabalin, Concor, versch. Benzos
Momentane Medikamenteneinstellung:
Cymbalta 180mg, Lyrica 600mg, Concor 2,5mg, Dominal 80mg zum schlafen
Bin stabil und es geht mir relativ gut – nur schwitze ich viel, hab Palpitationen (daher Concor … Hilft aber ausgezeichnet gegen Herzphobie!) und 8 Kilo zugenommen. Beginne jetzt schön langsam Lyrica und Cymbalta zu reduzieren.
Persönliche Favourites: Cymbalta (bestes AD für mich), EsCitalopram (wunderbar bei Depri aber zu schwach bei Angst/Panikattacken), Concor (zwar Betablocker, wirkt aber sehr beruhigend bei Brustenge!)
Absolutes No-Go: Zyprexa (gehört als Augmentation bei Depri verboten!!!, Zombie-NL) und Fluoxetin (Verschlimmung der Depressio und körperliche Zustände)
Ich hoffe ich konnte dir in aller Kürze ein paar Hard-Facts aus meinem Medikamentenleben schildern.
Danke für die äußerst informative Seite!
Hi JimBim!
180 mg Cymbalta ist schon eine sehr hohe Dosis. Und Du sagst, dass Du Palpitationen hast, womit Herzrhythmusstörungen gemeint sein können. Wann wurde denn zuletzt ein EKG geschrieben? Hast Du das mit den Palpitationen Deinem Psychiater erzählt? SSRI’s können ja manchmal Herzrythmusstörungen als Nebenwirkung verursachen…
Hallo Jan!
Ich habe ja den Newsfeed deines Blogs abonniert und musste jetzt wirklich laut auflachen da ich im taz-Artikel zitiert werde.
Bezüglich Cymbalta: 180mg sind sehr hoch, natürlich. Ich wurde aber stationär auf diese Dosis eingestellt und der Primar der Klinik war der Meinung, dass man bedenkenlos bis auf 180mg hochdosieren kann. Und ja, im Anschluss an den Klinikaufenthalt hab ich sogar ein 24h-EKG gemacht. Alles im grünen Bereich, nur der Blutdruck ist seitdem ich Cymbalta nehme ein wenig hoch.
Inzwischen habe ich die Dosis aber wieder auf 120 mg runterdosiert. War schon kurz auf 60, aber das ist mir viel zu wenig. Bei Lyrica bin ich jetzt von 2×300 auf 2×100 runter – ich merke richtig wie sich die Nebel in meinem Kopf lichten und meine Konzentrationsfähigkeit sprunghaft besser wurde. Cymbalta dürfte die Angstkomponente wirklich auch sehr gut abdecken (was bei mir Cipralex nicht schaffte) und daher werd ich Lyrica in den nächsten 2-3 Monaten absetzen.
Ahja, und eines will ich noch anmerken:
Ich hab während meiner Cymbalta-Zeit mal mit dem Rauchen aufgehört und wieder angefangen und die Erfahrung gemacht, dass ich ohne Rauch viel aktivierter bin. Dann hab ich etwas in Publikationen gewühlt … leider ist nur der Abstract gratis einsehbar.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18651344
Rauchen senkt das Serumlevel von Duloxetin.
Beste Grüße
Hier fehlt ganz klar, zumindest versuchsweise und wenn keine Neigung zu Psychosen vorliegt, Dronabinol (das ist der Cannabis- Wirkstoff THC).
Dronabinol kann von jedem Arzt auf einem BTM-Rezept verschrieben werden, allerdings muss der Patient die Kosten zur Zeit i.d.R. noch selbst tragen.
Viele Patienten berichten (s.a. diverse Foren), dass sie während der Dronabinol-Behandlung Ihren bisherigen Medikamentencocktail drastisch reduzieren können.
Dazu kommt, dass Dronabinol nicht ansatzweise so heftige Nebenwirkungen hat wie viele klassische Psychopharmaka bzw. Schmerzmittel.
Für weiterführende seriöse ärztliche Informationen empfehle ich die Seiten des ACM:
http://www.cannabis-med.org/?lng=de
Ich selbst empfehle das nicht, zum einen wegen des von Dir erwähnten Potentials, Psychosen auszulösen, zum anderen natürlich wegen des Abhängigkeitspotentials. Und es ist natürlich in dieser Indikation nicht zugelassen. Damit sage ich nicht, dass es nicht möglicherweise eine antidepressive Wirkung hat. Aber die hat auch Opium…
Hallo psychiatrietogo,
ich habe bereits sehr viel alleine recherchiert aber ich bin immer noch sehr verunsichert.
Ich nehme bereits seit Jahren fluoxetin (mittlerweile 40mg). Nun habe ich – nach zweitägiger Einnahmepause – zu citalopram gewechselt. Das habe ich natürlich alles mit meinem behandelnden Facharzt besprochen.
Ich weiss einfach nicht was besser ist für mich. (Ich neige zu Gewichtszunahme und Schlafstörungen). Ich hatte schon einmal von fluoxetin auf citalopram gewechselt und wegen Schlaf – und orgasmusstörungen wieder nach ca drei Wochen zu fluoxetin gewechselt. Soll ich dieses Mal länger warten? Sind diese Nebenwirkungen vorübergehend? Ich schlafe wieder seit tagen nicht….
Ich schreibe gerade vollig übermüdet im dunkeln – bitte verzeiht meine tippfehler.
Beste Wunsche
Insomnia
Hallo Insomnia,
vielen Dank für Ihr Interesse an meinem blog. Gerne berichtet ich hier ganz allgemein über psychiatrische Themen und halte mich auch mit Wertungen nicht zurück.
Was ich allerdings nicht tun kann, ist, in individuellen Fällen eine diagnostische oder therapeutische Einschätzung zu leisten. Hierfür sind die Situationen auch zu individuell, das würde der Komplexität jeden Einzelfalles nicht gerecht. Darüber hinaus verbietet es auch das Standesrecht. Bitte wenden sie sich mit Ihrem Anliegen daher an einen praktizierenden Psychiater in Ihrer Nähe.
Ich bitte um Ihr Verständnis und wünsche Ihnen noch viel Spaß beim weiteren Verfolgen des blogs.
Beste Grüße,
Ihr psychiatrietogo
Also ich nehme seit einiger Zeit abends 45 mg mirtazapin und morgens 30 mg Cymbalta. Mir ging es gut, aber jetzt kommen die angstzustände und depressionen wieder. Woran kann das liegen?
Sehr geehrte Picoline,
vielen Dank für Ihr Interesse an meinem blog. Gerne berichte ich hier ganz allgemein über psychiatrische Themen und halte mich auch mit Wertungen nicht zurück.
Was ich allerdings nicht tun kann, ist, in individuellen Fällen eine diagnostische oder therapeutische Einschätzung zu leisten. Hierfür sind die Situationen auch zu individuell, das würde der Komplexität jeden Einzelfalles nicht gerecht. Darüber hinaus verbietet es auch das Standesrecht. Bitte wenden sie sich mit Ihrem Anliegen daher an einen praktizierenden Psychiater in Ihrer Nähe.
Ich bitte um Ihr Verständnis und wünsche Ihnen noch viel Spaß beim weiteren Verfolgen des blogs.
Beste Grüße,
Ihr psychiatrietogo
Wie schon oben beantwortet, ist cymbalta mit 90-120 mg hochdosiert, ich finde halt meine 30 mg sehr niedrig und vielleicht auch wirkungslos, da die empfohlene Dosis sowieso bei 60 mg liegt.
Ich nehme jetzt seit einiger Zeit Sertralin 100mg, aufgeteilt auf eine Dosis am Morgen und am Nachmittag und hatte Anfangs das Gefühl, dass mir diese Medikation durchaus hilft. Und das ohne Nebenwirkungen (naja, bis auf Mundtrockenheit, das lasse ich durchgehen).
Durch meine Einschlafstörung, die ohne Medikamente bis hin zu Durchwachen geht und mich mehr und mehr in eine Tag-Nacht-Umkehre bringt, nehme ich vor dem Einschlafen zusätzlich 10mg Zolpidem. In den letzten Tagen kommt noch 1mg Lorazepam dazu, weil ich selbst mit dem Schlafmittel nicht mehr einschlafen konnte und die Dosis bis zu verdreifachen musste. Ich bin daran, alternative Lösungen zu den Schlafmedikamenten zu finden, denn als Dauerlösung will ich das nicht. Der Schlaf muss sich ja irgendwie auch selber einstellen. Mir da zu helfen ist auf jeden Fall auch eine Aufgabe des Therapeuten.
Was mir in letzter Zeit eher Sorgen macht ist, dass mein Antrieb wieder extrem viel weniger geworden ist. Ich tue mich sehr schwer, mich zu etwas aufzuraffen, bin nach wenigen Aktivitäten todmüde und habe das Gefühl, dass ich den ganzen Tag nur schlafen könnte. jetzt frage ich mich natürlich, ob das Sertralin nicht mehr so gut anschlägt, wie zu Beginn, bzw. ob es vielleicht doch nicht das Richtige ist für mich. Ich habe es mit einer Dosiserhöhung auf 150mg versucht, doch dann bekomme ich krasse Nebenwirkungen wie starker Druck im Kopf, Krampfen in den Wangen, verstärktes Klingeln in den Ohren und Händezittern. Das sind mir zu viele Nebenwirkkung, die ich auf Dauer einfach nicht ertragen will.
Wenn ich Ihren Beitrag richtig verstanden habe, wäre es also vielleicht eine Idee, von Sertralin auf Duloxetin oder sogar Venlafaxin zu wechseln. Es sei denn, Sertralin ist nicht mit Citalopram gleichzusetzen?
Hallo fiirvogu!
Der Betreiber dieser Webseite ist Arzt und darf (leider) keine Tipps und Empfehlungen bezüglich Medikamente geben.
Ich bin aber Betroffener und “Laie” und ich kann meine Erfahrungen und meinen Senf hier abgeben.
Zuerst einmal will ich anmerken, dass du mit Zolpidem sehr aufpassen musst. Ich hab es selbst ein paar Mal genommen und find dass es eine richtige Bombe ist und man sich schnell an das Einschlafen mit diesem Präparat gewöhnt – daher geht’s ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr ohne. Ich würde dir dringend anraten auf etwas schlafanstoßendes und nicht so süchtig machendes umzusteigen – bewährt haben sich diesbezüglich Trazodon oder Prothipendyl (Dominal forte 80mg).
Duloxetin und Venlafaxin sind im Gegensatz zu Sertralin und Citalopram SNRI – hemmen also zusätzlich auch die Aufnahme von Noradrenalin im synaptischen Spalt. Dem Noradrenalin (bzw. dessen Konzentrationserhöhung) werden antriebssteigernde Effekte zugeordnet (im Gegensatz zum Serotonin, dem eher stimmungssteigernde Effekte zugeschrieben werden) – das heißt sie “treiben” dich ein bisschen an. So wie du deine Situation beschreibst, ist ein Umstieg auf Duloxetin sicher einen Versuch wert! Am Anfang kann man sich ein bisschen unruhig und nervös fühlen, vielleicht auch ein bisschen ängstlich, aber das geht schnell weg und die Steigerung des Antriebes ist bald als positiver Effekt spürbar. Ich persönlich habe schon viele Antidepressiva ausprobiert und für mich ist Duloxetin das beste AD. (Vor allem weil es auch bei Ängsten sehr gut hilft)
Geh zu deinem Psychiater und rede einfach darüber. Ich wünsch dir alles Gute!
Hi JimBeam
Danke für Deine Antwort. Ich hätte jetzt vom Doc auch keine medizinische Beratung erwartet – ich weiss, dass er das nicht darf. Und ich habe ja meinen Therapeuten, zu dem ich gehen kann, wenn ich mit den Medikamenten etwas verändern will. Ich gehöre nur einfach zu den Menschen, die sich gerne im Vorfeld informieren und sich ein Bild machen von Substanzen, die ich dann möglicherweise auch konsumiere. Die einzige Frage, die ich daher an den Doc gerichtet habe ist denn auch, ob Citalopram in der Wirkweise gleichzusetzen ist mit der von Sertralin. Dann wüsste ich nämlich, ob ich diesen Vorschlag meinem Psychiater überhaupt machen soll.
[...] Idee, wie ich “meinen Reserveschirm” eventuell lösen könnte, ist mir beim Lesen eines Beitrags von Psychiatrie to go gekommen. Besten Dank dafür! Und zwar habe ich bei Dr. H. (!) heute nachgefragt, ob ich nicht auf [...]
[...] Siehe auch: “Welches Antidepressivum gebe ich wem?“ [...]
[...] “22 Fragen zur Depression, sehr verständlich beantwortet von Prof. Holsboer, Leiter des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München“ “Depression” in der Wikipedia “Welches Antidepressivum gebe ich wem?” von diesem blog… [...]
Angenommen man hat einen Fall (Ein Angstpatient, der über Jahre kaum das Haus verlassen konnte (nur mit seiner Frau zu bestimmten Orten)), der über einige Monate bei wenig Response mit Opipramol behandelt wurde und stellt diesen auf Venlafaxin um, unter dem in den Wochen 1 bis 4 unglaubliche Fortschritte gemacht werden. Er fährt in dieser Zeit z.B. spontan mit einem Freund mehrere hundert Kilometer in andere Städte und beschreibt dies als entspannte Situation. Vorher kam er selbst in die Praxis nur in Begleitung seiner Frau. Er beschreibt sich in dieser Zeit als generell hellwach bei ‘unglaublicher’ Entspannung im ‘Inneren’. Der sonst innerlich gefühlte Tremor sei wie weggeblasen.
Ab ca. Woche 5+6 schwächt sich die positive Veränderung deutlich ab und fällt in den kommenden Wochen auf ein ähnliches, unbefriedigendes Niveau wie unter Opipramol (oder anderen SSRIs aus den Jahren davor). Ein Wechsel auf Duloxetin bleibt ebenso ohne besonderen Unterschied.
Die 5. Woche ist mir sonst als die typische Woche bekannt, in der die Wiederaufnahmehemmung (Serotonin, partial Noradrenalin) Ihre eigentliche therapeutische Wirkung zeigt. In diesem Fall scheint aber der Zeitraum davor wirksam gewesen zu sein und beim Einsetzen des angestrebten Wirkmechanismus fällt die positive Wirkung drastisch.
Welcher Mechanismus herrscht also zu Beginn von Venlafaxin? Ist das pharmakologisch geklärt? Lässt sich das bei diesem Patienten durch ein anderen Präparat dauerhaft nutzen?
Hallo!
Sehr tolle Info hier! Ich habe leider vom Venlafaxin ab 75 mg Psychosen bekommen, einfängliche Niereninsuffienz und arg hohe Cholesterinwerte. Das Ausschleichen war sehr schwierig. Nun werden meine Depris und Ängste gut mit Citalopram 30mg und Mirtazapin zur Nacht 15mg gut in Schacht gehalten. Aufgrund der sehr hohen Gewichtszunahme (auch von Grund auf Medis (Östrogene) wg.Wechseljahrsbeschwerden, die ich aber wieder abgesetzt habe, soll ich nun neu eingestellt werden mit: nur noch 7,5 mg Mirtazapin dafür aber 40mg Citalopram (vertrage ich bisher sehr gut,, Blutwerte und EKG sind ok.). Ich hoffe, ich bekomme diese Einschlafstörung nicht wieder (chem. Schlafmittel darf ich nicht mehr nehmen, weil ich Zopiclonabhängig war).
Ist diese neue Dosis als vertretbar ? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
LG Tini
Ich habe eine Frage: wie beeinflussen sich Sertralin und Zyprexa? Beide wirken ja auf das serotonerge System. Wird die vermehrte Verfügbarkeit von Serotonin wieder durch das Zyprexa neutralisiert? Vielen Dank!
Hallo, als Psychotherapeut würde mich ihr Empfehlung bei alten Patienten mit Depression, Antriebsarmut und teilweise Suizidalität interessieren. In meinem Umfeld wird meist Amitriptylin oder Opipramol teilweise mit Tavor zusammen oder zB Venlafaxin verordnet.
[…] Antidepressiva […]
Was gibt es für Alternativen, wenn Venlafaxin nicht vertragen wird wegen Übelkeit und aus den depressiven Verstimmungen trotz 150mg Venlafaxin eine Depression wurde?
Ausserdem sind soziale und generalisierte Ängste vorhanden